Leben in Deutschland, Arbeiten in den Niederlanden

Unsere niederländischen Nachbarn sind uns in Vielem sehr ähnlich. Und doch unterscheiden wir uns, vor allem wenn es um vertragliche Richtlinien im Arbeitsumfeld geht.

Folgend findest du Informationen über das Arbeiten in den Niederlanden. Aufgrund unserer Erfahrung im grenzüberschreitenden Arbeiten unterstützen wir dich gerne auch bei allen weiteren deiner Fragen!

1. Gehalt

Die deutsche und niederländische Gehaltsstruktur unterscheidet sich grundlegend. Grade für junge deutsche Starter bietet die niederländische Gehaltsstruktur Vorteile.

Rechenbeispiel Gehalt DE u. NL:

  • 2700 € NL brutto = ca. 2070€ NL netto
  • 2700 € DE brutto = ca. 1730€ NL netto
  • 3300 € DE brutto = ca. 2000€ NL netto

Als Deutsche:r darf man sich nicht von den niedrigeren Bruttobeträgen in den Niederlanden irritieren lassen. Die Nettobeträge können zu Beginn deutlich höher ausfallen, als es in Deutschland üblich ist. Dies ist grade für deutsche Mitarbeiter:innen der Steuerklassen 1 oder 4 sehr interessant.
2. Arbeitsvertrag

In Deutschland arbeiten Unternehmen zumeist mit einem Festvertrag mit einer Probezeit von 6 Monaten.

Anders gibt es in den Niederlanden eine maximale Probezeit von 2 Monaten (meistens 1 Monat). Aus diesem Grund geben niederländische Unternehmen meistens einen 7 Monats- oder Jahresvertrag mit der Intention danach einen Festvertrag anzubieten. Der erste befristete Vertrag wird hierbei ähnlich wie die Probezeit angesehen.

3. Steuern

Als Deutsche:r der/die in den Niederlanden arbeitet zahlt man in den Niederlanden über das Einkommen seine Steuern. Durch das Doppelsteuerabkommen (EU) werden diese Steuern in Deutschland nicht nochmals versteuert.

Sollte es allerdings zusätzliche Einkünfte in Deutschland geben, wird (nach dem Progressionsvorbehalt) zur Berechnung des Steuersatzes das niederländische Gehalt dazu addiert und erhöht diesen somit. 

Das gesamte Einkommen, auch wenn es im Ausland verdient wurde, muss in Deutschland angegeben werden. Zusätzlich kann auch in den Niederlanden eine Steuererklärung eingereicht werden. Diese wird verpflichtend, sollte die niederländische Finanzverwaltung dazu auffordern.

4. Urlaubstage

In den Niederlanden sind bei einer 5 Tage Woche / 40h Stunden Woche gesetzlich 20 Urlaubstage vorgeschrieben. Viele Arbeitgeber bieten jedoch mehr und auch zusätzliche Urlaubstage an, bspw. für einen Umzug oder aufgrund der Tatsache, dass sie an Tarifverträge gebunden sind.

In Deutschland sind das gesetzliche Mindestmaß 24 Urlaubstage. Wobei noch zu anzumerken ist, dass die Niederlande 3 Feiertage weniger im Jahr hat als Deutschland. 

5. Urlaubsgeld & Reisekosten

In den Niederlanden gibt es, anders als in Deutschland, ein gesetzlich vorgeschriebenes Urlaubsgeld. Aus diesem Grund wird in den Niederlanden immer mit 12,96 Gehältern gerechnet.

0,96 Gehalt ist hierbei das Urlaubsgeld was je nach Unternehmen einmal jährlich oder auf 12 Monate verteilt gezahlt wird.

Weiter zahlen 90% der niederländischen Unternehmen Reisekosten. Hiermit ist der Weg von zu Hause zur Arbeit gemeint. Dieser Weg wird oft mit 0,19 Cent pro Kilometer und Tag vergütet oder aber mit einer festgeschriebenen Pauschale. In Deutschland sind Urlaubs und Weihnachtsgeld keine Pflicht für Unternehmen und werden somit nicht immer gezahlt.

6. Kündigungsfrist

Die gesetzliche Kündigungsfrist in den Niederlanden beträgt 1 Monat.

In Deutschland gibt es in manchen Verträgen noch Kündigungsfristen von 3-6 Monaten. Allerdings haben neue Verträge in Deutschland oft auch eine Kündigungsfrist von 4 Wochen.

7. Kindergeld

Wenn der Partner/die Partnerin in Deutschland arbeitet, besteht möglicherweise ausschließlich Anspruch auf Kindergeld aus Deutschland.

Ansonsten wird in den Niederlanden für Kinder bis 16 Jahre (unter bestimmten Umständen bis 18 Jahre) Kindergeld gezahlt. Dieses kann bei der SVB beantragt werden. In dem Falle besteht ebenfalls Anspruch auf das „kindgebonden Budget“ und ggf. auch auf eine Kinderbetreuungszulage. Ergänzend dazu ist eine Aufstockung des Kindergeldes aus Deutschland möglich.

8. Rente

Eine Altersrente wird aus dem Land bezogen, in dem man gearbeitet hat. Hat man sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden gearbeitet, dann erhält man auch aus beiden Ländern Rente.

Vertragliche Unterschiede

  1. Gehalt
  2. Arbeitsvertrag
  3. Steuern
  4. Urlaubstage
  5. Urlaubsgeld & Reisekosten
  6. Kündigungsfrist
  7. Kindergeld
  8. Rente
1. BSN Nummer beantragen

Um in den Niederlanden zu arbeiten muss ein deutscher Arbeitnehmer, eine sogenannte BSN – Nummer (Bürgerservicenummer/Steueridentifikationsnummer) vorweisen bzw. anfragen.

Diese kann bei den Grenzgemeinden (Venlo, Roermond, Nijmegen etc.) angefragt werden. Der Termin dauert ca. 10 Minuten.

Einen Link zur Vereinbarung eines Termines bei der Gemeinde Venlo findest du hier.

 

2. Krankenversicherung

Bei einer Anstellungen in den Niederlanden muss eine niederländische Krankenversicherung abgeschlossen werden. Diese kostet je nach Selbstbeteiligung 80-110€/Monat. 

Die CZ Krankenkasse in den Niederlanden kümmert sich um grenzüberschreitendes arbeiten. Die Anmeldung der Krankenversicherung findest du via diesem Link. (Unter Punkt 2 und unter den unten angegebenen Telefonnummern können Fragen zur Anmeldung beantwortet werden.)

Telefonnummer CZ Krankenversicherung: 0031 46 4595812 (Grenzgänger Abteilung)

Nach Anmeldung bei der CZ kannst du dich mit dem von der Krankenkasse ausgestelltem S1- oder E106-Formular kostenlos bei deiner deutschen Krankenkasse anmelden. So ist es möglich weiterhin in Deutschland zum Arzt zu gehen, es gelten dieselben Leistungen, die bisher im Paket der eigenen Krankenversicherung enthalten sind. Der Unterschied ist, dass nun auch das niederländische System genutzt werden kann. Hierbei ist sehr wichtig zu erwähnen, dass bei der Nutzung des niederländischen Systems, in einigen Fällen, eine Selbstbeteiligung zu zahlen ist. Diese ist in Deutschland nicht zu zahlen!

Administrative Schritte

.. für die Unterzeichnung deines niederländischen Vertrages.

  1. BSN Nummer beantragen
  2. Krankenversicherung